Funkenabbrennen in Fußach

Friedhöfe sind zentraler Bestandteil unserer Kultur und dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein ungestörtes Totengedenken zu ermöglichen. Ihre Planung ist keine leichte Aufgabe, sollen sie doch kontemplative Stimmungen auf oft engem Raum erzeugen. Die Friedhofserweiterung im österreichischen Fußach zeigt, dass räumliche Konzentration nicht nur gut funktioniert, sondern auch so aussieht. Geplant wurde sie vom Architekten Reinhard Drexel aus Hohenems, der den im Jahr 2002 ausgeschriebenen Wettbewerb für sich hatte entscheiden können. Sein Konzept vereint die Friedhofserweiterung mit der Neugestaltung des Kirchplatzes im Zentrum der 4.000 Einwohner zählenden Gemeinde und schafft gleichzeitig Distanz zur umliegenden Wohnbebauung.

Eine hohe geschwungene Wand umschließt das neue Areal mit Bereichen für Erdbestattungen und Urnengräber und gibt auch dem bestehenden Friedhof eine klare räumliche Einfassung. Der Zugang erfolgt zwischen den Service-Räumen auf der rechten Seite und einer Memorial-Tafel auf der linken. Zur Innenseite ist die Mauer von einem breiten Arkardendach überdeckt, das den ebenso breiten Weg entlang der Urnengräber vor Regen und Sonneneinstrahlung und zugleich von Einblicken von außen schützt. Das Dach liegt etwa einen halben Meter oberhalb der Wandoberseite und wird von Stahlstützen getragen, die sich in der Wandebene befinden. Durch den Luftraum scheint die Dachfläche zu schweben, wirkt leicht und unterstützt die Wahrnehmung der durch die Krümmung undefinierten Mauerlänge. Zur Dorfseite schließt das Dach bündig mit der Wandfläche ab und lässt nur einen Schlitz erkennen.

In der Mauer gibt es dezent gesetzte Maueröffnungen, die durch spezielle Steckschalungen hergestellt wurden. Zum Dorf hin sind sie mit Kathedralglasscheiben abgedeckt; zum Friedhof sind Steinplatten mit Gravuren vorgesehen, die von den Verstorbenen erzählen und mit Metallrahmen in die Öffnungen gesetzt werden können. Ebenso ist dort Platz für Grabbilder, Blumen oder Kerzen.

Den Friedhof selbst gliederte der Architekt mit 40 cm hohen Stufen, einem Wasserbecken und 80 cm hohen Hecken, deren Platzierungen ebenso wie die der Gräber einer genau definierten Anordnung folgen. Diese lässt sich im Laufe der Zeit, wenn die bislang noch freien Flächen durch nicht belegte Gräber langsam verschwinden, verändern. Am Ende soll das Wasserbecken in der Mitte des Gräberfeldes übrig bleiben.